Das HuEpF-Konzept

Das "Pfotenmodell" - ein Wirkgefüge der pädagogischen tiergestützten Intervention mit Kind und Hund

Das Kind steht im Mittelpunkt, im Zentrum des Geschehens und wird umrahmt von Pädagoge und Hund, die als Team fungieren:

Der Pädagoge gibt Anweisungen an den Hund und lenkt und beobachtet aktiv sein Verhalten, während der Hund durch sein (Inter-) Agieren, seinen nonverbalen Ausdruck mit dem Pädagogen kommuniziert und auf die Weise Informationen über die momentane Befindlichkeit, den mentalen Zustand des Kindes und die emotionale Atmosphäre der Situation überbringt.

Der Pädagoge wirkt nicht direkt auf das Kind, sondern nur über den Hund, der in Interaktion mit dem Kind steht. Diese teils freie, teils (an-) geleitete, teils ritualisierte, d.h. eingeübte Kind-Hund-Interaktion (vgl. Vernooij & Schneider 2010) nimmt im ausgewogenen Verhältnis Einfluss auf die Entwicklungsbereiche des Kindes.

Dadurch wird eine Entwicklungsbegleitung und/oder pädagogische Förderung, die Aspekte der Ganzheitlichkeit ebenso wie die der Individualität berücksichtigt, im natürlichen Rahmen (und nicht im künstlich erzeugten Setting) ermöglicht.

HuEpF-Ziele

Es soll im wahrsten Sinne des Wortes „tierisch“ motiviert und quasi nebenbei ganzheitlich gefördert werden, wobei das Kind in seiner Entwicklung individuell begleitet wird. Das übergeordnete Ziel von HuEpF besteht demnach darin, Kindern eine ganzheitliche und individuelle Entwicklungsbegleitung und -förderung anzubieten, die kindgerecht und spielerisch und frei von Leistungsdruck gestaltet ist. Dabei sollen durch den Kontakt zum Hund, durch die Interaktion mit ihm folgende Entwicklungsbereiche angesprochen werden:

(1) Förderung der Motivation
(2)

Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen (kommunikative und interaktive Fertigkeiten)

(3)

Förderung der Grob- und Feinmotorik sowie der körperlichen Bewegung

(4)

Förderung der Sinneswahrnehmung

(5)

Förderung des Selbstvertrauens, des Selbstkonzepts der eigenen Fähigkeiten

(6)

Förderung des Selbstbewusstseins und eines authentischen Auftretens

(7)

Förderung der Teamfähigkeit

(8)

Förderung des Verantwortungsbewusstseins

(9)

Förderung der Körperwahrnehmung sowie körperlicher und seelischer Entspannung

(10)

Förderung eines naturbezogenen Interesses

Darüber hinaus wird Wissen über das Lebewesen Hund, über respektvollen Umgang mit Tieren und über artgerechte Haltung vermittelt. Dieses Wissen fördert Empathie und das Verstehen der Verhaltensweisen von Hunden kann dazu beitragen, Beißunfällen vorzubeugen.

Zielgruppe

Das HuEpF-Konzept ist in erster Linie für die Arbeit mit Grundschulkindern und insbesondere für Kinder mit besonderem Förderbedarf im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung entwickelt worden.

 

Eine Umsetzung in anderen Bereichen wie Kindergärten/Kindertagesstätten, weiterführenden Schulen oder auch in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen ist aber denkbar.

Umfang und Dauer

Es werden mindestens zehn Einheiten geplant, da die Durchführung von HuEpF in verschiedene Phasen unterteilt ist, die es braucht, um die Entwicklung der Kinder positiv zu beeinflussen. Dieser zeitliche Rahmen ist variabel verlängerbar, wird jedoch begrenzt gehalten, da das Interesse der Kinder über einen zu langen Zeitraum oder einen zu häufigen Einsatz abschwächen und sich ungünstig auf die Motivation und somit auf die Effektivität der Förderung auswirken kann.

 

Die Dauer eines Einsatzes bzw. einer HuEpF-Einheit liegt zwischen 45 und 60 Minuten, wobei darauf geachtet wird, dass die aktive Einsatzdauer des Hundes 45 Minuten möglichst nicht übersteigt.

Vorbereitung

Vor Beginn der Durchführung von HuEpF gilt es, wichtige Bedingungen und Voraussetzungen abzuklären und zu erfüllen (z.B. Genehmigungen und Einverständniserklärungen einholen, Informationen erteilen, Hygienplan und Grobkonzept über den Ablauf erstellen sowie Zielvereinbarungen absprechen).

Die erste HuEpF-Phase

  • Die erste Einheit findet ohne Hund statt.
  • Kennenlernen und Einschätzen der Kinder
  • Vorbereitung und Hinführung der Kinder zum Thema Hund und zum ersten Hundebesuch
  • gemeinsame Regelerarbeitung
  • Vorstellen des Hundes (Steckbrief oder Begrüßungsbriefe)
  • kleine Rollenspiele
  • Klärung von Fragen, Wünschen und Erwartungen der Kinder
  • Kennenlernen des Hundes durch spielerische Übungen
  • Vertrauensaufbau

Die zweite HuEpF-Phase

  • Wissensvermittlung zum Thema Hund
  • "Hundesprache"
  • Schulung emotionaler und sozialer Kompetenzen
  • Umgang mit dem Hund
  • richtiges Verhalten bei (fremden) Hundebegegnungen
  • Aufgaben mit und um den Hund
  • Kommandoarbeit (Einüben von Signalen wie Hör- und Sichtzeichen)
  • Einüben von Tricks
  • Entspannungselemente
  • verschiedene entwicklungsfördernde Spiele und Übungen
  • Gruppenspiele
  • Kreatives Gestalten

Die dritte HuEpF-Phase

  • Vorbereitung auf Verabschiedung des Hundes
  • Wünschäußerungen der Kinder
  • Wiederholung von Lieblingsspielen und Lieblingsaktionen
  • Feedback-Abfrage
  • Verteilung von Urkunden oder "Hunde-Experten-Ausweise"
  • Verteilung von Fotos mit Kind und Hund

Nachbereitung

Im Anschluss an die jeweiligen HuEpF-Einheiten findet eine Nachbereitung und Reflexion des Verhaltens der Kinder, des Hundes und des eigenen Verhaltens statt, um Verbesserungs- oder Änderungsmöglichkeiten für die nächsten Einheiten zu erarbeiten.

 

Es finden stets Austausch und Rücksprache sowie fortlaufende Informationsweitergabe mit dem Team und den Eltern statt.

 

Nach jeder HuEpF-Einheit wird großer Wert auf Belohnung, Entlastung und Stressabbau für den Hund (Spielen, Auslauf, Hundesport, Entspannung etc.) gelegt.